Panama

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Glücklich habe ich Puerto Viejo in Costa Rica verlassen, nachdem ich das natürlich schönste Faultier der Welt mit dem schönsten Faultierbaby der Welt gesehen und mit dem hässlichsten Affen aller Zeiten tapfer um meinen Rucksack gewrestelt habe. Bei letzterem das Dilemma: Ziehe ich nun fester an meinem Rucksack und hab das Aggrovieh dann auf mir drauf kleben und es beißt mich mit seinen ekeligen Zähnen oder lasse ich den Rucksack los? Zum Glück hat das kleine Monster dann zuerst los gelassen und mir die Entscheidung abgenommen…

In Bocas del Toro, einer Inselgruppe auf der Karibikseite von Panama, ist das Touristenleben paradiesisch entspannt: Das volle Paket mit menschenleeren Palmenstränden, Dschungelgrün mit Wegen aus knietiefem Matsch, wunderschönen Korallenunterwasserwelten, Delfinen, bunten Vögeln und winzigen Karibikinseln.

Nach fast einer Woche „Castaway“ spielen hatte ich dann auch erst einmal genug vom Strand und es ging in die tiefgrünen Nebelwälder in den Bergen, die voll sind von Bächen, scheinbar unzähligen überdimensionierten Insektenarten, Adlern, Kolibris und anderen Vogelarten, unglaublichen Urwaldriesen, wilden Orangen und Orchideen, wunderschönen Hostels und Bergpanoramen, die sich je nach Wetterlage und Tageszeit auf die unglaublichste Weise verändern können. Und natürlich wie der Name schon sagt: Nebel, Wolken und auch gelegentlich ganz schön viel Regen…Also dann genau das richtige, um sich irgendwo im Hostel einzuigeln und sich ein paar Filme anzuschauen.

Ansonsten habe ich auch andere Lieblingstravelleraktivitäten mit viel Elan verfolgt, z.B.:

– Die absurdesten Travellergeschichten vergleichen. Wie man einen Bubbletea in einem komplett überwachten taiwanesischem Kloster unauffällig wieder los wird ohne ihn trinken zu müssen, oder wie man sich den Arm gebrochen hat als jemand aus dem Bett über einem auf ihn drauf fiel, mit welchen Tieren man schon im Nahkampf war (hier kann ich wenigstens mit einem Affen auftrumpfen), oder wer die meisten Mückenstiche, den kleinsten Rucksack  oder die meisten Teller Reis und Bohnen gegessen hat, es gibt immer etwas „Wichtiges“ zu diskutieren!

– Hinderniskochen, wie ich es nenne. In den schlecht ausgerüsteten Küchen fehlt wahlweise alles, Deckel, Topfgriffe, Dosenöffner, Besteck… Man mcgivert vor sich hin, huscht zwischen den anderen Hindernisköchen durch und improvisiert aus Currypulver und Instantnudeln ganze Festmähler.

– Sich in Gleichgültigkeit üben und tapfer die ramponierten Beine voller Kratzer, Wunden, Mückenstiche, Sonnenbrände, Blasen und Schmutz übersehen. Sich ebenso nicht über dicke Hornhaut vom Barfußlaufen aufregen, sondern sich freuen wenn man durch die Platten unter den Füßen weniger Schmerzen beim Laufen hat und außerdem einen guten Schutz besitzt, wenn man auf einen Skorpion tritt.

– Verlorene und vergessene Sachen ebenso mit einem „Genial, weniger Gepäck!“ begrüßen anstatt sich über den vermeintlichen Verlust zu ärgern. Meistens findet man sowieso dafür schönere Sachen, die andere zurück gelassen haben, auch wenn man diese nicht unbedingt gebrauchen kann. Bei den Gegenständen, die einem die Treue halten betet man hingegen, dass die Sandalen, die Kamera, der Rucksack und die anderen Besitztümer dem Verfall noch ein paar Wochen standhalten. Die restlichen Sachen werden auf absurde Weisen wieder ganz mcgivert (mein neues Lieblingswort, denn ohne geht hier Garnichts).- Sich in Orte und Menschen verlieben und sie nach ein paar Tagen wieder zurück lassen. Das kann ganz schön schwer sein! Aber wenigstens kann man sich richtig drüber freuen und es in vollen Zügen genießen, wenn man schon im Vorhinein weiß, dass es nicht von Dauer ist.

– Immer genau die Situationen austarieren und wissen, welches Bett im Dormroom, welcher Platz im Verkehrsmittel etc. pp. am günstigsten ist oder wo man am besten sein Essen im völlig vollgestopften Kühlschrank deponiert, damit man es noch wieder findet gleichzeitig aber auch nicht weg gefressen oder weggeschmissen bekommt.- In jeder Situation auch ohne Ohrenstöpsel in Tiefschlaf verfallen können, ob im vollgestopften Rumpelbus, am wuseligen Bahnhof oder im Schlafsaal, vollgestopft mit 3 Stockbetten, schnarchenden, verschwitzten und im Schlaf brabbelnden Menschen und incoming Partypeople.

-Verrückte anstaunen, die nur mit einer Zahnbürste und einer Oboe unterwegs sind oder die ganze Unterhaltungen nur mit Bob Marley Zitaten bestreiten können.

– Mehrere Tage in der Hängematte verschimmeln und den Weltrekord im Seelebaumelnlassen aufstellen.

In Boquete, einem Dörfchen noch tiefer in den Bergen ist die Landschaft voller Kaffeeplantagen, Blumen, kleiner Häuschen von amerikanischen Rentnern. Ich wollte eigentlich alleine durch die Berge tigern aber scheinbar wirkte ich etwas verloren sodass verschiedene Guides aus dem Nichts auftauchten: Zuerst hatte ich meine eigene Eskorte in Form eines Husky Hunds, der mich nicht mehr alleine gelassen hat sobald ich das Hostel verließ. Ich hab ihn erst großzügig mitkommen lassen, war dann später echt froh, dass er dabei war, immer wusste er den richtigen Weg! Schweren Herzens musste ich mich nach 3 Tagen auch von ihm trennen…Aber der Hund schien als Aufpasser nicht zu reichen, so kam noch ein Mensch dazu, der mich durch die Wälder und über die Kaffeeplantagen schliff… Anschließend wurden wir noch samt Hund von einer Familie zum Kaffeetrinken eingeladen…Es ist doch wirklich sehr seltsam wie alleine auf der einen, und wie gut aufgehoben auf der anderen Seite man doch innerhalb weniger Tage sein kann.

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