Nicaragua / Costa Rica

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Nicaragua ist eigentlich wunderschön:

Wenn El Salvador und Honduras bunt sind, Belize und Guatemala kunterbunt, dann ist Nicaragua knatsch kunterbunt: Der Himmel, die Walder, das Wasser, die Häuser, die Busse und die Kleidung, alles strahlt. Es gibt Kolonialstädtchen, tropische Inseln, grüne Kraterseen, Regenwaldreservate in denen es vor Leben wimmelt, von Urwald gesäumte Flüsse, Dörfer am Ende der Welt mit alten Festungen und die aus 2 Vulkanen, Stränden, Wäldern und noch mehr Wunderbarem zusammengesetzte Ometepe-Insel im riesengroßen See von Nicaragua. Wie aus einem Märchen…

Aber irgendwie war ich irgendwann ein paar Tage schlecht gelaunt. Das passiert mir schon an sich relativ selten. Ja, es war viel zu warm, zwischen 10 Uhr morgens und 16 Uhr nachmittags läuft einem der Schweiß schon alleine vom Atmen nur so runter und abends war man körperlich völlig fertig. Das ständige Neuorientieren nervte so wie die Leute manchmal aber das konnte es doch wohl nicht sein…Ansonsten und eigentlich war ja alles fein… da musste ich dann erst mal länger überlegen, bis ich völlig erstaunt feststellen musste, dass mich der größte Feind des Reisenden voll erwischt hatte: Ganz simples und ordinäres HEIMWEH!

Zuerst war ich sauer, denn ein Weichei wollte ich ja nicht sein. Schwächen eingestehen nervt mich ja eh generell ziemlich. Und außerdem was soll der Quatsch, eine verwöhnte Göre, die nicht schätzen kann, was sie grade hat, so kannte ich mich eigentlich auch nicht. Also musste ich erst mal ein paar Tage innehalten und Ausflüge durch meine inneren Landschaften machen…

Denn Heimweh haben, das war echt mal neu. So lange ich auch weg gewesen war hatte ich auch immer schon die nächste Eskapade im Kopf geplant obwohl ich mich auch immer gefreut habe zurück zu sein.

Aber jetzt vermisste ich meine Freunde und Familie, meine Wohnung, meinen Alltag, inklusive aller seltsamen Kleinigkeiten, wie z.B. die Frau vom Bäcker zu kennen, den Lärm und Gestank der Sonnenallee,  mein wie ein Orchester klapperndes Fahrrad und selbst so völlig banale Dinge wie ein völlig belangloses Käsebrot… Schließlich ist hier fast alles anders – und darin liegt ja auch eigentlich der Kick. Irgendwann bin ich dann drauf gekommen, dass ich weder ein Weichei noch undankbar war, sondern dass sich in den letzten Jahren bei mir tatsächlich einiges geändert hatte: Vieles war so geworden, wie ich mir es immer gewünscht hatte. Ich mochte meinem Alltag in Berlin und war glücklich damit. Kein Wunder, dass er mir irgendwann fehlen würde und ich nicht mehr auf ihn verzichten wollte. Für mich persönlich hatte ich also schon einiges erreicht, auch wenn sich das nicht als die konventionellen Lebensziele wie Ehemann und Kinder, Eigentumswohnung und Berufskarriere manifestierte.  Überhaupt irgendeinen Ort auf der Welt als „zu Hause“ zu bezeichnen, damit war ich früher immer vorsichtig gewesen. Es kann sich da ja nicht jeder so sicher sein wie E.T.

Außerdem habe ich auch noch einmal gemerkt, wie toll es ist von Menschen umgeben zu sein, die mir viel bedeuten, denn so nett die Leute, die man auf Reisen trifft auch sind, es ist einfach nicht das gleiche Gefühl wie mit langjährigen guten Freunden abzuhängen. Für wirklich gute Freundschaften braucht man entweder viel Glück oder viel Zeit, bis sie sich entwickeln.

Uff, das hatte ja lange gedauert, bis ich das dann endlich klar hatte… Also nicht, dass ich viel davon nicht schon vorher gewusst und gespürt habe, aber jetzt ist es mir noch deutlicher geworden! Und die Einsicht ist auf jeden Fall ein Grund um glücklich zu sein und nicht um den Kopf hängen zu lassen! 🙂 Da ging es mir auf jeden Fall wieder besser und ich war auch nicht mehr so geknickt.

Es hat dann schon noch etwas gedauert bis ich endlich auch wieder Augen für die großen und kleinen schönen Dinge Nicaraguas hatte und mich wieder in das Knarzen der Holzveranda am Fluss, die zahllosen Tierlaute nachts im Dschungel, die Pfeilgiftfrösche, Eisvögel, Kolibris und Mauersegler, den Geschmack von gerösteten Kakaobohnen oder ein schönes Gesicht verlieben konnte. Wann wird man all diese Dinge noch einmal erleben können (bis auf die schönen Gesichter!)? Also nichts wie ran und alles in Kopf und Herz aufnehmen und speichern.

Nach meiner Fahrt durch das unglaublich grüne und leider auch sehr touristische und teure Costa Rica an deren Ende ich glatt am Strand von Puerto Viejo kleben geblieben bin, ging es mir dann wieder gut und frech und abenteuerlustig wache ich jeden Morgen wieder auf…

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