Guatemala II

DSC03468In den letzten Wochen haben Fabian und ich weiter Guatemala entdeckt. Wir sind auf den Ruinen von Tikal rumgeklettert, haben im Vulkansee Atitlan getaucht und haben die Dörfchen am Ufer mit seinen Indigena-Kulturen und Märkten erkundet, wir haben Kälte, Hitze und dünner Luft trotzend den Vulkan Tajamulco auf 4220m bestiegen und noch mehr Märkte in der Umgebung von Quezaltenango besucht.

Dabei haben wir Dinge erlebt, die man mit Geld niemals bezahlen könnte: Die atemberaubende Aussicht vom Templo IV über den Dschungel in Tikal, Nasenbären, die dir den Zucker vom Tisch klauen und dich anzischen, morgens mit Blick auf den wunderschönen See und die Vulkane aufwachen und Abends zu Grillenzirpen, Blätterrauschen und noch mehr unidentifizierbaren Tiergeräuschen einschlafen, die Gesichter der Marktbesucher beobachten und mit den Verkäufern feilschen, an einem Lagerfeuer mitten in der Natur unter Sternen sitzen und den Sonnenaufgang auf dem Vulkangipfel über einem Meer von Wolken sehen, der unglaublicher Geschmack der Papaya und Mangos, die man auf dem Markt ergattert hat – Erlebnisse, die einfach glücklich machen und einem oftmals mehr beibringen als ein Intensivstudium. Unzählige große und kleine Abenteuer gibt es in diesem lebhaften Land, jeden Tag.

Zum Beispiel eine Fahrt in einem sogenannten „Chicken-Bus“ (die ganz normalen 2. Klasse Busse, die wahrscheinlich so heißen, weil auch Hühner drin erlaubt sind): Die Busse sind liebevoll bunt bemalte alte amerikanische Schulbusse. Ebenso bunt ist eine Fahrt mit ihnen…man steht am Straßenrand, der Bus kommt angerast, bremst, der Kollege des Busfahrers, der die Leute in den Bus pfercht, sich um das Gepäck kümmert und das Fahrgeld kassiert, kommt auf dich zugestürmt, reißt dir dein Gepäck aus den Händen, schmeißt es aufs Dach, und ruft dir zu „Rapido, rapido!“(Schnell, schnell!) während du auf den langsam weiterfahrenden Bus aufspringst. Dann beginnt der eigentliche Spaß: Der Bus ist natürlich brechend voll, nicht nur mit allem möglichen Handgepäck, das fast schon allein reichen würde um den Bus zu füllen, sondern auch mit Leuten: Da, wo normalerweise 2 Leute sitzen, quetschen sich hier 3-4 Menschen auf die Sitzbank. Berührungsängste darf man da keine haben…free hugs till you drop! Man braucht jedoch nicht zu denken, wenn man steht hätte man mehr Platz: Zwar schrappt man sich so mit den langen Beinen nicht die Knie am Vordersitz blutig aber wenn man steht ist man der holprigen Schotterstraße voll ausgeliefert, stößt mit dem Kopf bei den krassen Unebenheiten an die Decke und wenn man Pech hat steht man auch noch vor dem Lautsprecher, aus dem wahlweise ohrenbetäubend laut kitschige Liebeslieder, Reggaeton oder traditionellere latein / zentralamerikanische Rhythmen schallen. Dafür bekommt man durchtrainierte Oberarme im verzweifelten Versuch, den Körper würdig aufrecht zu halten, denn bei den kurvigen Straßen lernt man auch die liebe Zentrifugalkraft bestens kennen. Den zweiten Busfahrer, der sich während der Fahrt immer wieder halsbrecherisch aus der Türe hängt und dabei die nächsten Stationen wie in einer Litanei ununterbrochen herausschreit, kann man um seine lebensnotwendige Körperbeherrschung und Meisterung der Schwerkraft nur beneiden. Eigentlich kann man auch fast dankbar sein wenn man sich auf die eigene Körperlänge konzentrieren muss, denn so bekommt man wenigstens nicht die halsbrecherischen Überholmanöver des Busfahrers und die ungesunden Geräusche, die von den Bremsen und / oder der Gangschaltung kommen, mit und sieht nicht, wie der Staub der Straße sich schön mit dem Qualm des überhitzten Motors mischt bevor er in dicken Wolken durch die offenen Fenster quillt. Man schickt fast automatisch Stoßgebete zum Himmel – auch wenn man nicht an Gott glaubt!

Wenn man dann mal einen Moment Ruhe hat, kann man entweder die Berg- und Vulkanlandschaft und die Menschen und Dörfer bestaunen, die vorbei sausen oder die Leute, die neben dir eingequetscht sind: Indígenas in wunderschönen bunten Klamotten, Männer mit Cowboyhüten oder Anzügen oder kleine Kinder die dich neugierig anstarren… In den kurzen Stopps wird dann noch mehr Unterhaltung aufgefahren: Quacksalber preisen ihre Präparate an, die gegen alles helfen sollen und wahrscheinlich nichts enthalten, es werden kurze inbrünstige Predigten gehalten und Frauen schleppen auf ihren Köpfen Körbe mit verschiedenen Snacks durch den Gang (das geht auch bei voller Besetzung, auch wenn man es kaum glaubt!), die sie dabei laut anpreisen. Wenn man dann aus dem Bus aussteigt kann man kaum seinen Körper entknittern, schon muss man aufpassen, dass einem das Gepäck nicht direkt wieder entrissen wird, da die Fahrer der weiterführenden Busse schon erraten haben, wohin du weiter willst bevor du auch nur eine Silbe sagen konntest…

Man liebt oder hasst es wahrscheinlich. Ich für meinen Teil würde die besseren Busse nicht mehr gegen das lebhafte Erlebnis einer Fahrt mit dem Chickenbus eintauschen, auch wenn einem die Knochen danach weh tun. Ein echtes Abenteuer!

Diese Farbenfreude zieht sich auch durch viele weitere Bereiche, das Straßenleben und die Märkte, die förmlich vor Farbenvielfalt und Intensität explodieren und in deren Gewusel man völlig untergeht, die traditionelle Kleidung der Indígenas voller Tier- und Blumenstickereien und so bunt wie der Regenbogen, die bunt gestrichenen Häuser und selbst die Friedhöfe, die in allen Farben bemalt sind. Einfach die besten Voraussetzungen für Reizflashjunkies, und so werde ich selten müde, meine neugierige Nase in immer andere Winkel des Landes zu stecken.

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