Myanmar I

DSC01609Myanmar ist auf den ersten Blick nicht viel anders als die anderen südostasiatischen Länder: Stelzenhäuser, Palmen, Reisfelder, Wasserbüffel, fantastische Sonnenuntergänge, Bootsreisen, wuselige Großstädte, Mönche, farbenfrohe Tempel, Garküchen auf der Straße, regenbogenfarbenen Märkte mit unbekannten Obst- und Gemüsesorten, Holzboote, schäbige Hostels in alten Kolonialvillen, freundlichen, adretten asiatischen Mädchen und Damen und Männern mit betelnussroten Zähnen, sowie Hähnen, Morgenmärkten und Straßenverkehr, der Ohrenstöpsel für einen halbwegs ruhigen Schlaf erforderlich macht. Und doch kommt es mir vor als leuchteten die roten Lehmwege, die grünen Palmen, die goldenen und weißen Stupas und Tempel, die rot-orangenen Mönchsgewänder, die gelbe Sonne und das Lächeln der Menschen hier mehr als anderswo und ich nehme alles auf wie ein Schwamm und leuchte hoffentlich etwas zurück! 🙂 Bei näheren Hinsehen fällt auch auf, dass der Banana Pancake Index hier gegen 0 geht, d.h. der sonst übliche Touristen Schnick-Schnack ist hier noch nicht so präsent wie in den Nachbarländern, in den Bussen reist man fast nur mit Einheimischen und die ganzen Beschriftungen (Schilder etc.) sind fast ausschließlich mit dem burmesischen Alphabet gemacht (d.h. man versteht meistens nix!). Als „Geheimtipp“ geht das Land jedoch nicht mehr durch, im Gegenteil: Während der Hauptsaison kommt es gar nicht mehr mit der Infrastruktur für die ganzen Touristen nach. Auch die Menschen sind offener und unbedarfter: Überall wird man von ihnen willkommen geheißen, in Klöster und Tempel gezerrt und stolz herum geführt, mit neugierigen Fragen gelöchert und um Fotos gebeten. Wie soll man da nein sagen, wenn Gruppen von 4, 8 oder 12 kichernden, elfenhaften jungen Frauen einen umringen und „Foto, Foto?“ rufen? Und man lächelt, lächelt, lächelt bis einem abends die Gesichtszüge wehtun. Bei all dieser idyllischen Glückseligkeit gibt es aber einen riesigen Wermutstropfen der völlig unbesehen am Touristen vorbei geht wenn man sich nicht ein bisschen informiert. Der Friede trügt nämlich gewaltig: Der Großteil der Bevölkerung ist bitterarm und das Land ist von ethnischen Konflikten, Kriegen, Zyklonen, Machtkämpfen und Militärdiktaturen arg gebeutelt. Pressefreiheit, Menschenrechte Demokratie… Fehlanzeige. Stattdessen tausende politische Gefangene, Überwachung, Manipulation der Wahlen, Zwangsarbeit, Korruption. Die Mitglieder der Opposition werden mit Gewalt zum Schweigen gebracht. Nur um einmal den Zustand des Landes mit ein paar völlig unzureichenden Wörtern zu umreißen. In weite Teile des Landes kann man als Tourist nicht reisen. Was da vorgeht kann man sich ja so ungefähr ausmalen… Hoffentlich ändert sich das bald! Jetzt reise ich mit David, und das ist wunderbar. Er hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen und ist um einiges unbedarfter und zupackender als ich und voller Ideen! 🙂 Es ist schon eine tolle Abwechslung mit jemanden zu reisen, der einem nah ist als mit ständig wechselnder Besetzung oder alleine.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Myanmar veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.