Kuba: Zwischen Sozialsimus, Pauschal- und Sextourismus

P1050734Seit nun 2 Wochen bahnen wir uns schon tapfer unseren Weg durch Kuba, und es ist oftmals alles andere als einfach.

Erst einmal zum Positiven: Die Hauptstadt Havanna war irre mit ihrem quirligen Straßenleben, den verfallenen Kolonialgebäuden, den alten Autos, dem Meerwind und der Musik an allen Ecken und Enden. Ab jetzt wird nur noch Reggaeton gehört! Cienfuegos und Trinidad sind wunderschöne Kolonialstädte fast direkt am Meer mit tollen Stränden obendrein, Gibara auf der Nordseite der Insel direkt am Meer und stark beschädigt von den Hurrikans 2008 hat sich trotz allem noch sehr viel ursprünglichen Charme bewährt und Santiago de Chile war auch sehr schön mit seinen tollen Aussichten aufs Meer, seinen Terrassen und dem regen Leben auf den Straßen.

Das Wetter ist natürlich auch super, Natur ist irre, Strände geil und Leute wären auch ganz nett, wenn man mal mit welchen in Berührung kommen würde, die einen nicht als wandelnde Brieftasche betrachten. Mehrfach am Tag gibt es Situationen, in denen ich ausrasten und laut schreiend im Kreis laufen würde, wären da nicht die beruhigenden Worte von Fabi und ein paar Mojitos zur Hand.

Auf dieser kleinen paradiesischen Insel brodelt es ständig in meinem Kopf denn die Mischung aus Kubas Ausverkauf an den Tourismus, dem Kampf der Kubaner um die harte Währung, den Cuc, mit dem die Touristen bezahlen, den Pauschaltouristen, die gönnerhaft unter den Kubanern Seitenstücke verteilen und keine Ahnung von den wirklichen Zuständen im Land haben, den alten hässlichen Säcken mit jungen Kubanerinnen, die einem hier ständig über den Weg laufen, den omnipräsenten sozialistischen Parolen, den Kubanern, die sich gegenseitig und auch die Touristen für ein paar Cuc in die Pfanne hauen, dem Mangel an gewissen Waren (…etc. pp., es könnte eine endlose Liste werden) gibt mir sehr zu denken und macht mich oft wütend und traurig. Nicht, dass es in den anderen Ländern nicht oft Elemente von dem oben aufgezählten gegeben hätte, aber auf Cuba scheint mir alles noch krasser, offensichtlicher und perverser herauskristallisiert. Jeden Tag entdeckt man neue Facetten und es gibt neue Folgen von Nepper, Schlepper, Gangsterrapper. Nicht, dass ich nicht sehr viel Verständnis für viele Dinge hätte, aber hier geht es deutlich zu weit.

Zum Glück haben wir uns dann bis an das südliche Ende der Insel durchgeschlagen, und in Baracoa haben wir schließlich doch noch einsame Traumstrände mit Palmen, nette Einwohner, die auch einmal zurück lächeln und eine geringere Schlepperdichte gefunden. 2 Tage haben wir uns einen Motorroller gemietet und waren somit unabhängig von der Taxivetternwirtschaft und Co. und konnten auch in verstecktere Winkel schauen und machen, was wir wollten. YEAH! Und nach 2 Tagen in einer kubanischen All-inclusive Ferienanlage mit viel sozialistischem Charme und viel zu lachen, die so völlig anders daherkam als die glänzenden Plastikresorts weiter oben am Strand von Varadero bin ich wieder mit Kuba versöhnt. Jetzt noch eine Woche für den Rückweg nach Havanna und dann bin ich wieder in Berlin! Ich freue mich schon sehr auf euch alle und auf die 3 Monate Sommer, die mich nach dem ganzen Jahr Sommer immer noch erwarten!


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