Argentinien III / Bolivien I: Höhenflug auf einem anderen Planeten

wo endet die Erde und wo beginnt der Himmel?

wo endet die Erde und wo beginnt der Himmel?

Nach je 2 Tagen im argentinischen Rosario und Cordoba, 2 sehr netten Städten, wenn man einfach die Zeit mit rumtrödeln und spazieren gehen, Leute beobachten, im Park oder am Fluss chillen und dem ein oder anderem Bierchen verbringen will, ging es weiter Richtung Norden zur Bolivianischen Grenze. In Salta im Norden Argentiniens merkt man bereits, dass man als Europäer mehr auffällt als in den Städten vorher, da die Leute viel mehr indigenen Einschlag haben als weiter südlich. Die Landschaft ändert sich auch, vorher war sie flach und grün, nun bergig und eher karg. Als wir in die Quebrada de Humahuaca (Schlucht von Humahuaca) hinein fuhren, kamen wir aus dem Staunen über die bunten Berge (grün, lila, rot, orange, gelb und weiß in allen Schattierungen) und die kleinen Dörfchen mit ihren einfachen Lehmhütten nicht mehr heraus. Was wir bis jetzt von Argentinien gesehen hatten, hauptsächlich Städte, war halt ähnlich wie bei uns, aber das hier war wirklich eine andere Welt.

Und diese andere Welt wurde größer, je weiter wir uns gen Norden bewegten. In dem Dorf hinter der Bolivianischen Grenze kam man sich etwas so vor wie im wilden Westen: Viel roter Staub, niedrige, angeranzte Häuschen, grelles Licht, alle Menschen mit Hüten, auch die Frauen in der typischen Bolivianischen Tracht. Und alles viel runtergekommener als noch ein paar Kilometer weiter in Argentinien. So zuckelten wir mit dem Klapperbus über ungeteerte Staubstraßen bis nach Tupiza. Die Landschaft auf dem Weg mit ihren roten Bergen und bizarren Steinformationen ließ mich nur noch mehr an Cowboys und Indianer denken…Von da aus ging es dann am nächsten Morgen auf eine viertägige Tour durch das Altiplano (das andine Hochland) und den Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Erde.
Es war unglaublich und atemberaubend und alle bisher gesehenen Berg-See-und Steppenlandschaften waren ein Scherz im Vergleich zu diesem anderen Planeten, den wir mit dem Jeep durchfuhren. Wieder Berge in allen Farben, der Himmel im schönsten blau mit wunderschönen Wolkenformationen und ihren Schatten, bunte Lagunen, Flamingos und Lamas, schneebedeckte Vulkangipfel, riesige mit Gräsern bewachsenen Weiten, irre Steinformationen, Sümpfe, Geysire, heiße Quellen und hell leuchtende Sternenhimmel…Und natürlich zum krönenden Abschluss der surreale Salzsee selbst, in dem sich Himmel und Erde in den traumhaftesten Weiß- und Blautönen treffen, die alles Andersfarbige ganz intensiv leuchten lassen und in dem die Dimensionen umgekehrt scheinen.

Ich glaube, ich habe während der 4 Tage die Kamera nur zum Schlafen aus der Hand gegeben und lasse deswegen wieder einmal die Bilder sprechen!
Wie soll man diese Landschaften beschreiben, deren Farben und deren Weite grade aus Träumen oder Dali Bildern entsprungen zu sein scheinen und die ich sicherlich niemals vergessen werde? Schon sicherlich nicht wegen den ungefähr 800 Fotos, die ich gemacht habe. An alle mein Tip: Unbedingt hinfahren. Es ist unglaublich! Und natürlich können die Fotos nicht das Gefühl vermitteln, mitten in diesen Landschaften zu stehen.
Von der Höhe (bis zu 4850 Meter) haben wir zum Glück nicht viel gemerkt, nur dass wir schneller außer Atem waren als gewöhnlich und ab und zu etwas Kopfschmerzen hatten. Die Kokablätter, die eigentlich alle hier ständig kauen oder als Tee trinken, haben da auch sicherlich geholfen, da sie den Kreislauf etwas stabilisieren wenn man sich schlapp fühlt. Die grüne Matsche die man somit in der Backe hat ist auch eine hervorragende potentielle Gegenwaffe, die man gegen die Lamas spucken kann, sollten diese wirklich einmal dem Klischee entsprechen und das Spuckfeuer eröffnen.
Fabi hat auch direkt das Touristenklischee von Bolivien bedient, er hat sich nämlich eine Mageninfektion zugezogen und vegetierte die meiste Zeit leider auf dem hinteren Jeepsitz vor sich hin.
Zum Glück hatten wir noch einen superwitzigen Franzosen und einen ebenso amüsanten Belgier in unserem Jeep sitzen, die uns ständig zum Lachen brachten und gute Laune verbreiteten, und uns neben der Landschaft von Kälte, Krankheit und sonstigen Wehwehchen ablenkten.

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