Brasilien III / Argentinien I / Uruguay I: On the road and over the rainbows

Iguazu

Iguazu

Das Reiseleben ist nicht immer nur Disko und Schokolade! In der letzten Woche hab ich einige Kilometer hinter mich gebracht und von 7 Nächten 4 im Nachtbus gepennt. Das kann ungefähr so aussehen, wie die Fahrt und der Tag, die mich nach 3 Tagen mit leider recht wechselhaftem Wetter auf der brasilianischen Traumstrandinsel Florianópolis erwarteten:

Reichlich verplant und grade vom Strand zum Busbahnhof gehetzt, dabei klitschnass geregnet worden, noch den allerletzten Platz im Nachtbus ergattern (Riesenglück!), auf der Bahnhofstoilette was Trockenes angezogen, Sandwich runtergeschlungen, rein in den Bus, sich dankbar von einer netten Brasilianerin für ein paar Stunden von dem Film mit quietschenden Eichhörnchen, der auf den Monitoren des Busses lief, ablenken lassen, um Mitternacht ein paar Baldrian eingeschmissen, damit das mit dem Schlafen trotz schnarchender Nachbarn und Geruckel auch klappt, morgens mit eingeschlafenen Armen in einer total verdrehten und ungemütlichen Schlafposition in Foz de Iguazu aufgewacht, aus dem Bus gestolpert, Katzenwäsche auf der Bahnhofstoilette, erstaunter Blick in den Spiegel wegen der Augenringe, nasse Klamotten vom Vortag wieder angezogen damit die überhaupt eine Chance zum Trocknen haben, erst mal einen Kaffee trinken und Elektrogeräte im Café aufladen, dann aus Versehen in den falschen Bus nach Paraguay gestiegen (Brasilien, Paraguay und Argentinien liegen hier dicht beieinander), es zum Glück noch vor der Grenze gemerkt, zurück erst gelaufen, dann nach 30 min. endlich eingestanden, dass es doch zu weit ist, also wieder in den Bus, noch einmal umsteigen in den richtigen Bus und dann…

Dann steht man plötzlich vor diesem tosenden 180 / 360 Grad Panorama aus Wassermassen, Dschungel, Felsen, Schmetterlingen, Adlern und Kranichen und kann gar nicht anders als vor Glück breit zu grinsen und gleichzeitig ein paar Tränchen zu verdrücken vor so viel Schönheit. Ich konnte mich echt grade noch zurückhalten, dem Tourist neben mir, der so wie ich verzweifelt und vergeblich versucht, diesen Wahnsinn mit seiner kleinen Knipskiste einzufangen, jubelnd in die Arme zu fallen weil es einfach so atemberaubend schön ist. Und dann kommt auch noch die Sonne raus und packt noch ein paar Regenbögen on top. WOW!!! Ich steh eigentlich nicht so sehr auf Wasserfälle und war skeptisch, ob sich das lohnt, aber diese Wasserfälle gehören wohl zu den schönsten Dingen, die ich in meinem Leben gesehen habe. Alle Strapazen vergessen und auch egal, wenn man von den ganzen Wassertropfen schon wieder völlig durchnässt wird! Auch der darauffolgende nervige Grenzübertritt nach Argentinien mit mehrfachem Aussteigen und Stempeln des Passes kann das Lächeln nicht aus meinem Gesicht wischen!

Nachdem ich dann von der argentinischen Seite am nächsten Tag ebenso beeindruckt worden war haben die Busfahrer im nächsten Nachtbus leider vergessen, mich rechtzeitig an der Grenze zu Uruguay aufzuwecken sodass mein Tag dann überraschender Weise in Buenos Aires endete. Da hatte ich zwar auch nichts gegen, aber so ganz neu in einer fremden Großstadt nach dem ganzen Rumgeeiere war schon etwas anstrengend. Aber das ist ja ein Luxusproblem!

Ich ließ mich aber so schnell nicht abwimmeln. Am nächsten Morgen der nächster Versuch mit dem Boot rüber über den Rio de la Plata nach Colonia de Sacramento, Uruguay. Das hat dann geklappt. Das ehemalige Schmugglerdörfchen hat mich dann auch etwas runter gebracht, hier ging es ganz gemütlich zu, nix los, die Sonne schien, das Meer rauschte und der Puls ging wieder runter. Auch die freundliche und übersichtliche Hauptstadt Montevideo und das angegammelte und deswegen total gemütliche Hostel in einem alten Kolonialgebäude in dem ich dann endlich mal wieder 2 Nächte im gleichen Bett pennen konnte taten ihren Teil zur Entspannung dazu, sodass ich morgen in aller Ruhe für 2 Tage ans Meer in die Hippieenklave des Cabo Polonio entschwinden werde.

Was natürlich überhaupt nicht entspannend ist die Lage in Japan, die natürlich auch nicht an mir vorüber gegangen ist. Da steht man vor diesen Wasserfällen und freut sich und am Abend desselben Tages bleibt einem das Sandwich im Hals stecken bei den Bildern, die da über den Bildschirm der Bar flimmern und in denen das gleiche Element, das solch eine Schönheit wie Iguazu hervorbringt, ein ganzes Land in Form eines Tsunamis verwüstet…Umso schlimmer, dass die dummen Menschen es durch ihren Größenwahn mal wieder super verstanden haben, die Katastrophe potentiell um ein vielfaches zu verschlimmern. Jedes Mal wenn ich ins Internet gehe bete ich, dass gleich keine noch schlechteren Nachrichten auf dem Bildschirm erscheinen, aber bis jetzt vergebens.

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