Brasilien I: A cidade de deus

die Meeresgöttin Yemanjá raucht sich hier gerne einen...

die Meeresgöttin Yemanjá raucht sich hier gerne einen…

Sicherlich belächelt ihr mich schon insgeheim (oder offen) da ich mich immer am schönsten Platz der Welt befinde. Ich kann es ja selbst kaum glauben, denn ich dachte, irgendwann stumpft man bei so einer langen Reise auch ab, aber diese Welt ist einfach so unglaublich, dass man immer wieder neue, atemberaubende und aufregende Dinge entdeckt und man aufs neue staunt wie ein kleines Kind.
Auch diesmal hat mich das Flugzeug in eine neue Welt katapultiert: Brasilien. Nach einem echt harten Tag ( 4 Uhr morgens aufstehen und dann 3 Stunden Flugverspätung, die LAN-Fluggesellschaft liebt mich wirklich!) schlappe ich endlich aus dem Bus nach Ipanema und muss mich erst mal mit meinem Rucksack durch eine riesen Trommelgruppe und einem singenden und tanzenden Mob halbnackter Körper, Schweiß, Bier und Rhythmus kämpfen. Eine Bloc Party eben! Das treibt einem den Puls direkt auf mindestens stolze 180 und schwitzen tut man sowieso schon. WILD THING!, dagegen sind die Berliner Open Airs mal echt ein Witz…
Wenn man Rio verlässt befällt einem direkt „saudade“ (Sehnsucht), prophezeit der Lonely Planet. Und da hat er Recht. Ich war 5 Tage dort und es war einfach nicht genug. Rio hat jetzt nicht eine Riesenanzahl an Sehenswürdigkeiten, aber wenn man den Tag erst einmal mit einem Strandbesuch am Ipanema Beach beginnt (schon um 7 Uhr morgens scheint der Himmel im schönsten Blau und es hält einem nichts im Bett!), ausgedehnt frisches Obst frühstückt, dann schön langsam macht (wegen Hitze und so) und abends noch ein paar Caipirinha trinkt, dann vergehen die Tage wie im Flug.
Rio ist eine großartige und bittersüße Mischung aus ganz modernen Hochhausvierteln, in denen man sich trotzdem fühlt, als wäre man an einer Ferienstadt am Strand, grünen dschungelbewachsenen Bergen, in denen Affen, Geier und anderes Getier ihr Unwesen treiben, runtergerockten Vierteln wie Santa Teresa voller bröckelnder Kolonialarchitektur, wunderschönen Stränden, atemberaubenden Aussichtspunkten über Stadt, Strand, Buchten und Berge, Tanz und Musik an jeder Ecke und immer wieder dazwischen die Favelas (Armenvirtel) aus zusammengezimmerten Häusschen, oftmals ohne Kanalisation, Strom und medizinische Versorgung.

Ein absolut irres Erlebnis war auch der Besuch einer Sambaschule, wo die „Proben“ für die bevorstehende Karnevalsparade stattfinden. Eine riesige Turnhalle voller Menschen, jung und alt, die Samba tanzen ist echt beeindruckend. Schon die kleinen Kinder haben diese irre schnellen Moves perfekt drauf und man kann einfach nur staunen, wie alle das mehrere Stunden ohne Pause aushalten, die 50 köpfige Band, die in 2 Stunden keine Pause macht, die sexy Sambavortaenzerinnen und Vortänzer, die auch nicht müde werden mit dem Hintern zu wackeln und die ganzen Gruppen mit verschiedenen Choreographien drumherum. Die Menge kocht, denn auch sämtliche Besucher auf den Tribunen und am Rand der Halle tanzen und tanzen und schon vom Zuschauen wird einem sowas von warm…. RESPEKT!

Mein Brasilianisch lässt trotz meinem Lerneifer noch sehr zu wünschen übrig, Lesen klappt perfekt, Verstehen ist auch ok, aber Sprechen schrecklich. Aber egal, ich radebrech mir einfach einen ab und es ist erstaunlich, wie viel ich mit meinem Kauderwelsch noch kommunizieren kann. witzig auch, was die Brasilianer im alltäglichen Sprachgebrauch aus Anglizismen machen: So lieben sie Filme mi Bradschi Pittschi, hören auch gerne Hipi-Hopschi Musik, und haben alle ein Faceibooki-Profil im Internetdschi. Herrlich, ich liebe es. Eine andere Erfindung, die mich wirklich sehr zum Lachen gebracht hat, sind die gepolsterten Toilettenbrillen, die es hier vielfach gibt. Die ersten paar Male erschreckt man sich ganz schön, wenn der Sitz unter einem nachgibt. 🙂

Alle sagen ja immer, Rio ist so gefährlich, und ich habe viele crazy stories von anderen Reisenden gehört, aber mir ist zum Glück gar nichts geklaut worden und ich klopfe auf ein ganzes Holzlager. Im Gegenteil: Mir trägt das Glück immer noch brav in Form von Busfahrern, Passanten und Hostelmitbewohnern meine 7 Sachen hinterher. Ich hoffe, es bleibt auch so. Und klar ist es immer eher Zufall, ob einem etwas passiert oder nicht, aber ich hab mich in Rio keinen Moment bedroht gefühlt, im Gegenteil, die Leute waren alle super nett. Ich bin aber auch nicht um 3 Uhr nachts laut schreiend durch die Favelas gerannt…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Brasilien veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.