Australien: A brave new Kangaroo World

Oper 1

Oper 1

Meine 4 Tage in Australien waren ein kleiner Kulturschock: Am Flughafen in Sydney angekommen schlackert man nicht nur mit den Ohren wegen dem krassen Anstieg des Preisniveaus sondern auch wegen der Überorganisation und der klinischen Sauberkeit und Ordnung. Kein Gewusel, keine Improvisation, keine 1000 verschiedenen Gerüche und Geräusche und auch kein „Tuk Tuk Miss?“ mehr. Dafür eine Menge großer Biber ( so habe ich die Aussies in meinem Kopf getauft, breite Schultern, Zahnpastalächeln und scheinbar immer happy!), die einen mit „My Dear“ anreden und Stadtlandschaften, die so steril und sauber sind, dass sie mich an Comiczeichnungen erinnern. Der Himmel aus den Simpsons – knallblau mit weißen Schäfchenwolken und die Parks und Hochhäuser, die sich wie Gotham City aus Batman dagegen abzeichnen. Und dann noch ein paar Biberbatmans dazu und das Szenario ist perfekt. Wahrscheinlich trägt auch das klare Licht dazu bei, dass alles so kontrastreich zu sehen ist.

Sydney fand ich relativ langweilig, selbst die Chinatown, derer man sich rühmt, ist total gesetzt und aufgeräumt und hat mit China oder der Chinatown in Bangkok so gar nichts gemeinsam. Und subkulturmäßig geht es auch voll ab! Ich hab 2 Punker im American Apparel getroffen. Ui!

Trotzdem war es auch schön, im Park zu liegen, der nach Eukalyptus duftet und die Flughunde und Baumwipfel über mir anzustarren. Und was das Preisniveau angeht, da muss man eben wieder auf „do it yourself“ zurückgreifen. Marmeladenerdnussbutterbrote sind auch nicht zu verachten, wenn man sie mit Blick auf die Oper von Sydney verdrückt. Auch meinen Bedarf an Moderner Kunst konnte ich in den Museen erst einmal für die nächste Zeit decken. Wahnsinn, was die in Sydney und Melbourne für Museen haben und was da alles an den Wänden hängt. Ich war beeindruckt.

Melbourne hat mir deutlich besser gefallen als Sydney. Hier findet man auf Anhieb mehr schöne Straßencafés und nette Lädchen und ich hab fast schon wieder Komplexe bekommen, wenn ich mal wieder durch eine Straße gelaufen bin in der alle so schick und trendy aus dem Ei gepellt aussahen wie in Berlin Mitte. Es lebe die Globalisierung!

Auch die Unterkunft im Hostelschlafsaal war wieder eine Erfahrung. Zwar nerven die „Dialoge des Grauens“, die man da zwangsläufig 5x pro Tag führen muss, extrem („Where are you from / do you go?“ „How long have you been in X / have you been travelling?“ etc.pp.), aber alle Leute sind super nett und entspannt und nicht ganz so hysterisch auf dem „Wir sind alle so cool und haben uns alle so lieb“-Trip wie ich befürchtet hatte. Und wenn man eh den ganzen Tag an seinem IPod gehangen hat wie ein Fötus an der Nabelschnur ist es ja auch ganz nett, wenn man ein paar Worte wechselt und fett damit punkten kann, wenn man einfach nur sagt, man kommt aus Berlin. Sehr einfach zu beeindrucken, das Backpackpack!

Leider hatte ich keine Zeit, die ganzen Naturwunder Australiens zu bestaunen, denn ich bin mir sicher, die sind so viel spannender und schöner als diese sterilen Heile Welt-Städte. Aber immerhin, einen kleinen Eindruck von Australien konnte ich bekommen.

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