Kambodscha III: The real thing

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Die letzten 2 Tage in Kambodscha haben wir fernab vom touristischen Angkor Wat verbracht.
Mit dem Boot sind wir am ersten Tag nach Battambang gefahren. Das war mit Sicherheit eine der schönsten Bootfahrten bis jetzt. Erst ging es ein Stück über den Tonle Sap, den großen Süßwassersee, der Kambodschas Geografie dominiert. Der See ist so riesig, das man das Ufer nicht sieht und man sich eher fühlt, als wäre man auf dem Meer. Weiter ging es über enge, mit Schlingpflanzen zugewachsene Kanäle durch Mangrovenwälder und vorbei an schwimmenden Dörfern. Die Dörfer waren ein echtes Highlight, denn während die ähnlichen schwimmenden Dörfer weiter oben im Tonle Sap von Touristen überschwemmt und längst nicht mehr authentisch sind, kommen hier pro Tag nur etwa 2 Boote vorbei. So kann man das Leben auf dem Wasser ungestört beobachten. Alles, wirklich alles ist auf Hausbooten untergebracht: Schulen, Hühnerställe, Gärten, Geschäfte…sogar Tempel ragten auf Stelzen aus dem Wasser. Die Kinder haben uns alle angestaunt, gelacht, gewunken und wilde Tänzchen aufgeführt und man konnte gar nicht anders, als mit zu lachen, auch wenn man über die ärmlichen Behausungen, die oft kaum mehr als ein Holzfloss mit etwas Plastikplane und anderem Treibgut waren, grade in tiefes Grübeln über die Ungerechtigkeit der Welt verfallen war.
Auch unser Ziel, Battambang, war herrlich untouristisch. keine klassischen Backpackerhotels, keine Internetcafés und der übliche Touristenkram und einfach nur ein paar unprätentiöse Restaurants.
Am nächsten Morgen haben wir dann mit dem Tuk Tuk eine Fahrt durch die Umgebung gemacht. Auch hier waren bemerkenswert wenige Touristen unterwegs und es war herrlich, auf Tempelberge rauf zu klettern, durch Felder und Dörfer zu fahren und die Bambusbahn auszuprobieren, die wieder einmal vom Erfindungsreichtum der Kambodschaner zeugt. Auf einer stillgelegten Bahnstrecke haben sich die Menschen hier mit einem kleinen Motor, ein paar Rädern und einem Podest aus Bambus ein Verkehrsmittel improvisiert. Und das fuhr ganz schön schnell! Die Schienen waren schief und krumm und es hat wild gewackelt, aber wir haben es überlebt!

Den Grenzübertritt nach Thailand haben wir dann auch einmal auf eigene Faust organisiert, nicht mit einem durchgehenden Bus. Es war auch ein großer Spaß, wenn auch teilweise etwas zermürbend. Das bestellte Taxi zur Grenze fuhr erst los als es ganz voll war, obwohl uns gesagt worden war, dass es um 7:30 Uhr los ginge. Es ist doch immer wieder überraschend, dass mir auch nach 2 Monaten in Südostasien immer noch schnell mein westlicher Geduldsfaden reißt. Als das Taxi dann mit fast 2 Stunden Verspätung endlich losfuhr, musste ich jedoch so lachen, dass der listige Taxifahrer 8 1/2 Leute in seinen kleinen PKW reingequetscht hatte, dass die schlechte Laune schnell verflogen war.
Der Grenzübertritt verlief problemlos, weiter ging es mit dem Motorrad, dann mit dem Bus, dann einmal umsteigen, mit der Fähre nach Koh Chang, der thailändischen Insel, übersetzen und dann noch mal mit dem Sammeltaxi weiter. Endlich angekommen! Für die Strecke von etwa 200 km haben wir fast 11 Stunden gebraucht!

Kambodscha war, welch Überraschung, auch total toll. Auch wenn die Leute hier z.T. nerviger als in Laos oder Vietnam waren mit ihrem „Tuk Tuk Lady??“ und „Masaaaaaaaaage Laiiiiiiiiiidiiiiiiiiiiiiiieh???“ und der leider häufige Anblick von bildhübschen und jungen Kambodschanerinnen mit hässlichen alten Erste-Welt Säcken deprimierend war, habe ich noch nie so viele Lächeln geschenkt bekommen und viel Humor und Optimismus in den Menschen hier gefunden. Diese Tatsachen vor dem traurigen geschichtlichen Hintergrund des Landes, der an vielen Stellen noch sehr präsent ist und dem teilweise schockierendem Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen (z.B. der Abholzung von 70% bewaldeter Fläche 1970 auf 3% bewaldete Fläche aktuell) und den ganzen sozialen Problemen wie Armut und Korruption, lassen einen oft ratlos nach Luft schnappen.

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