Kambodscha I: Ghost Towns

Kep

Kep

Wenn man von Vietnam über die Grenze nach Kambodscha fährt, ändert sich direkt einiges: Die Straßen sind staubiger, die Hütten am Straßenrand wieder aus Holz und Wellblech und nicht mehr aus Stein und die Landschaft ist nicht mehr so verbaut, sondern wieder voller malerischer Reisfelder aus denen ab und zu ein paar Palmen aufragen.
Meine erste Station war das Strandbad Kep. Es war alles da: Restaurants, Strand und Uferpromenade, Sonne, Hotels, Meer…und doch war der kleine Ort so menschenleer, als wären die Sommerferien grade vorbei und alle nach Hause gefahren. Eine melancholische Schwere schien auf den verwaschenen Häusern, der verlassenen Uferpromenade und den Ruinen der Kolonialvillen zu liegen und ich habe mich fast etwas gegruselt.
Am nächsten Tag ging es weiter nach Kampot, einem etwas lebhafteren Städtchen nur einige Kilometer von Kep entfernt. Auch hier geht es ganz gemütlich zu, aber es gab ein paar mehr Menschen und die alten Französischen Häuser waren z.T. sehr schön restauriert.
Von Kampot aus haben wir einen Ausflug in den Bokor Nationalpark gemacht. Der Kambodschanische Staat hat ihn teilweise an einen chinesischen Investor verkauft, der jetzt ganz schön in dem Naturschutzgebiet wütet und riesige, breite Straßen für ein Luxusresort durch den Wald schlägt.
Auf einer Bergspitze war aber immer noch die Ruine des von den Franzosen errichteten Casinos / Hotels zu sehen, das später nach der Unabhängigkeit dann von den Kambodschanern erst zu einer Residenz für den König umfunktioniert und dann, schrecklicher Weise durch die Roten Khmer als Foltergefängnis benutzt wurde. Ganz schön unheimlich und vor allen Dingen deprimierend und traurig, wenn man sich vorstellt, was in dem Gebäude wohl schon alles geschehen sein muss…
Von Kampot aus sind wir dann in die Hauptstadt Phnom Penh gefahren. Die war ganz anders, als ich es erwartet hatte: Freundlich, übersichtlich, hell und relativ entspannt, obwohl es auch erschreckend viele Straßenkinder und Bettler gibt…

Es gab auch hier wieder sehr viel zu sehen auf der Straße. Hauptsächlich bestand der größte Spaß darin, durch die Märkte zu streunen, in Straßencafés zu sitzen und die Leute zu beobachten oder sich selbst auf die Straße zu wagen, was einem manchmal echt den letzten Nerv kosten kann:
Lag in Laos der Hahn und in Vietnam das Motorrad auf der Liste der Nervensägen ganz weit oben, so ist es hier in Kambodscha der Tuk Tuk Fahrer (ein Tuk Tuk ist so etwas wie ein Motorrad mit Anhänger, wo ca. 4 Leute drauf Platz haben). Ohne Übertreibung, alle 5 Minuten mindestens hört man „Tuk Tuk, Lady???“ selbst wenn derjenige, der einen vorher angehauen hat, in Sichtweite einen Meter weiter steht.

Die schreckliche neuere Geschichte Kambodschas hat natürlich auch hier ihre Spuren hinterlassen, das wird einem vor allem bewusst, wenn man das Toul Sleng Völkermordmuseum besucht.

Ehemals eine alte Schule, wurde das Gebäude von den Roten Khmer dazu benutzt, 20.000 Menschen grausam zu foltern und zu ermorden (unter den Roten Khmer starben nach verschiedenen Schätzungen 1,5-3 Millionen Menschen durch Ermordung, Hunger etc.). Die leeren Räume, in denen noch die Folterbetten zu sehen waren und die engen Zellen, in denen sich ein erwachsener Mensch kaum ausstrecken konnte, waren schon schrecklich genug, da sie einem schon nach wenigen Sekunden das Gefühl gaben, man müsse schnellstens aus dem Raum heraus. Viel schlimmer aber waren die Wände mit tausenden Fotos der Gefangenen, die die Roten Khmer gemacht hatten. Jeder hält eine Nummer vor sich und blickt in die Kamera. Blutjunge Männer, Kinder und Frauen, die meistens nichts anderes verbrochen hatten, als studiert zu haben oder sogar einfach nur mit jemandem verwandt gewesen waren, der studiert hatte. Ein unbeschreibliches Grauen. von dem Besuch in Toul Sleng muss man sich erst mal erholen.

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