Vietnam III: Stadt, Land, Fluss

schwimmender Markt

schwimmender Markt

Saigon (offiziell Ho Chi Min City) hat viele Gemeinsamkeiten mit Hanoi: Viel Gewusel und Verkehr und auch hier dient die Straße als Verlängerung des Wohnzimmers: Ein Fernseher auf dem Bürgersteig, vor dem sich Menschen versammeln, überirdische Wasserrohre, die als Gerüst für die Tische einer Garküche dienen, Schuhreperaturwerkstätten und Barbiere, die ihr Handwerk auf dem Bürgersteig verrichten. Und doch wirkt die Stadt um einiges moderner, die Straßen sind breiter und nicht so klaustrophobisch eng wie in Hanoi, Ampeln helfen einem mehr, die Straße zu überqueren und es gibt Parks, in denen man sich auch mal entspannen kann. Auch hier kann man alle eigentlichen Sehenswürdigkeiten (Kathedrale, Wiedervereinigungspalast, Pagoden etc.) an einem Tag ablaufen, aber die eigentliche Sehenswürdigkeit ist die Stadt und das Straßenleben selbst.
Sehr berührt hat mich das Kriegsmuseum. Auf 3 Etagen sind hauptsächlich Fotos aus dem Vietnamkrieg ausgestellt: Von Granaten zerstückelte Körper, verzweifelte Zivilisten, von Agent Orange entblätterte Wälder und missgebildete Kinder von den Spätwirkungen des Gifts…da bekommt man schon bei 30 Grad im Schatten eine Gänsehaut und es treten einem die Tränen in die Augen, wenn man die Bilder so riesengroß vor sich hat. Und man schämt sich, dass man es zulässt, dass der gleiche Scheiß in Afghanistan oder im Irak in anderer Form weiterläuft.

Nach Saigon ging es 3 Tage mit einer gebuchten Tour ins Mekong Delta. Es war teilweise wunderschön, auf dem Mekong durch die Kanäle zu schippern, die schwimmenden Märkte, Fischfarmen und Reisfabriken zu besuchen und das quirlige Leben zu beobachten, das am Busfenster vorbeizog, aber es nervte extrem, wie lieblos und schlecht alles organisiert war und dass versucht wurde, einem an allen Ecken und Enden noch ein paar Dollar mehr aus den Rippen zu leiern. Diese Schlitzohren. Wir haben auch viel drüber gelacht, denn schließlich ging es ja eigentlich nur um ein paar Euro, und es war auf jeden Fall auch eine Erfahrung….

Am Schönsten war das Mekong Delta, als wir wieder auf eigene Faust unterwegs waren: Am Busbahnhof beäugten uns alle neugierig und keiner sprach englisch. Der Bus zur Küste war unglaublich schrottig: Der Motor musste erst einmal repariert werden bevor es überhaupt los ging. Während der Fahrt blieb er dann auch glatt mehrfach stehen und der Bus musste angeschoben werden. Die Langsamkeit machte nichts, denn die Landschaft war wunderschön, auch wenn die Straße übelst holprig war und wir ordentlich durchgeschüttelt wurden!
Ich kann kaum glauben, dass ich bald schon 2 1/2 Monate unterwegs bin, die Zeit verging so schnell und doch scheint mir der Tag, als ich in Peking aus dem Flugzeug stieg, schon sehr weit weg. Noch weniger kann ich mir vorstellen, dass jetzt in Deutschland Winter und bald schon Weihnachten ist!

Ich genieße immer noch jeden Tag dieses Abenteuers und bin immer wieder so unglaublich glücklich, dass ich mich dazu entschieden habe.

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