Vietnam I: Der aufsteigende Drache und der hinabsteigende Drache

SAM_1579Hanoi, früher „Thăng Long“ („aufsteigender Drache“) genannt, macht seinem alten Namen alle Ehre, denn Bewegung gibt es hier zur Genüge.

Schon bei den ersten Schritten hat mich die Stadt in ihren Bann gezogen. Im selben Moment geschieht so viel auf einmal und man sieht so viele rätselhafte und spannende Dinge, dass ich nicht müde werde, das alles zu bestaunen. Die Anzugträger, die auf schäbigen Plastikhockern ihre Pho-Suppe schlürfen, die Warenträger mit ihren Stangen über der Schulter an denen rechts und links die gefüllten Körbe baumeln, die Frau, die vor einem Bekleidungsgeschäft auf dem Boden Hackfleisch zubereitet, der alte Mann, der mit einer Riesenbambuspfeife am Rand des Bürgersteigs sitzt, die schicken Cafés und die Gebrauchtwarenläden, die Straßen, deren nebeneinander liegenden Läden thematisch immer das Gleiche verkaufen, seien es Korbwaren, Medizin oder Kinderspielzeug, das Gewirr der Stromkabel in den Straßen…Die Häuser hier sind jeweils nur wenige Meter breit, so dass alle 2 Schritte der Laden / das Restaurant / die Werkstatt wechselt und man aufs Neue staunen kann. Modern und Alt liegen hier ganz nah beieinander und die Straße ist scheinbar nur die Verlängerung des eigenen Hauses!

Auch hat Hanoi mit seinen unzähligen Motorrädern, die Tag und Nacht über die Straßen brausen, seine eigenen überlebenswichtigen Verkehrsregeln beim Überqueren der Straße, die im krassen Gegensatz zu den unseren stehen:

1. Nicht stehenbleiben, sondern immer stetig weiter laufen, denn die Motorradfahrer rechnen damit, dass du weitergehst.

2. Nicht schnell über die Straße gehen, sondern langsam, denn sonst können die Motorradfahrer nicht einschätzen, wo du in den nächsten Sekunden bist, um dich zu umschiffen.

3. Die aller aller wichtigste Regel: Nicht nach links oder rechts schauen!!! Dann erschreckt man sich dermaßen vor den Massen an Motorrädern die kreuz und quer auf dich zusteuern, dass man entweder Regel 1 oder 2 missachtet und dann kann es unangenehm werden….

Denn für die Motorradfahrer gilt die Regel: Was auch passiert, man kann die krassesten Pirouetten drehen oder hupen hupen hupen, aber NIEMALS vom Gaspedal gehen. Auch sollte man daran denken, dass sich der Bürgersteig zu Stoßzeiten in eine 3 Spurige Verbreiterung der Straße verwandeln kann, falls dieser nicht schon mit anderen Motorrädern zugeparkt ist.

Irene und ich mussten das natürlich erst einmal üben und standen oftmals fassungslos lachend am Straßenrand, bis wir uns rüber getraut haben.

Sehr angenehm ist es auch, dass wir endlich der Travelerseifenblase, die uns in Laos leider die meiste Zeit umgab, entfliehen konnten. Hier drängelt man sich mit Vietnamesen in den Straßen, Garküchen und Sehenswürdigkeiten und versteht bei den meisten Schildern einfach nichts, weil sie nicht noch auf Englisch übersetzt werden… Banana Pancake, diese Backpacker-Pest, hab ich auch noch auf keiner Speisekarte entdeckt!

Dabei hatte ich bei der 30 (!!!) stündigen Busfahrt so meine Zweifel, ob mir Vietnam wohl gefallen würde, da die Busfahrer und das Personal an der Grenze mehr als ausgesprochen unfreundlich waren. Aber zum Glück sind hier in Hanoi alle Leute wieder freundlich und hilfsbereit.

Ich wollte auch meine nekrophile Serie einbalsamierter Kommunistenführer, die ich dieses Jahr begann (Leninmausoleum in Moskau, Mao-soleum in Peking) mit Ho Chi Min weiterführen, aber Onkel Ho, wie er hier oft genannt wird, hat leider Wellnessurlaub in Moskau bei seinem Freund Lenin gemacht, sprich, war zur Erneuerung der Einbalsamierung nach Russland geschickt worden und nicht in seinem Mausoleum anzutreffen.

Die letzten 2 Tage waren wir in der Halong-Bucht. „Halong“ bedeutet hinabsteigender Drache, und bezieht sich auf die Legende der Entstehung der Bucht, die auf Wikipedia nachzulesen ist. Die Bootsfahrt und die Übernachtung auf dem Boot haben super viel Spaß gemacht und wir waren etwas traurig, dass wir nur ein 2 Tages- und nicht 3 Tagestour gebucht hatten. Das Wetter, das zurzeit hier in Nordvietnam leider eher verhangen und grau ist, hat auch mitgespielt und wir hatten einen halben Tag zumindest Sonne.

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Ein Gedanke zu “Vietnam I: Der aufsteigende Drache und der hinabsteigende Drache

  1. Hey!

    Da habt ihr ja auch echt schöne Erlebnisse gehabt! Besonders schmunzeln musste ich über die sehr treffende Erklärung: „Wie überquere ich eine Straße?!“…
    Weiterhin eine gute und schöne Reise!!!
    Grüße aus Hoi An!
    Krümelmonster

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