Laos II: Der Himmel, die Hölle und das Ende der Welt in den Bergen

Luang Prabang

Luang Prabang

In Südostasien kommt man an einer Bootsfahrt auf dem Fluss eigentlich gar nicht vorbei. Überall wo man ist, ist auch meist der Mekong oder zumindest ein anderer Fluss nicht weit. So haben wir uns auch wieder einmal aufs Wasser gewagt, aber für eine längere Fahrt den Mekong / Nam Ou hoch von Luang Prabang nach Nong Kiao.

Die Fahrt war wunderschön, wir tuckerten in einem langen Boot durch Bergpanoramen und Dschungellandschaft, aber nachdem wir nach 7 Stunden ankamen, war unser Hintern ganz schön platt und ich hatte erst mal bis auf weiteres die Nase voll von Booten. Außerdem schaukelte den ganzen Abend immer noch alles um mich herum.

Nong Kiao ist ein wunderschönes verschlafenes Dorf. Man glaubt fast, man wäre am Ende der Welt angelangt und hinter der nächsten Biegung donnert der Fluss die Scheibe, die die Welt ist, hinunter.
Das deutsch-schweizerische Aktion Team konnte es natürlich auch nicht lassen, auf einen Berg hochzukraxeln. Nach einem anstrengenden Aufstieg, bei dem wir beiden bekennenden Grobmotoriker in unserer Trekkingkluft dem elfenhaft voranschwebenden Local Guide in seinen Flipflops hinterherhechelten, saßen wir nassgeschwitzt oben und die Aussicht war wirklich wunderschön … Wir waren ganz schön fix und alle, erst recht nach der Kräutersauna, die man uns zum Glück auch noch aufgeschwatzt hatte.

Die Rückfahrt nach Luang Prabang war wieder einmal in einem Local Bus und wir saßen schön zusammengequetscht mit Reissäcken an den Füßen und ein paar Laoten auf dem Schoss ein paar Stunden auf dem Teil drauf, danach war der Hintern wieder platt. Den haben wir uns dann unter anderem bei einer typischen laotischen Massage wiederbeleben lassen. Uff….

Mittlerweile haben wir unseren Hintern auch noch im Bus nach Vang Vieng plattgesessen und hier die letzten 3 Tage verbracht. Die Umgebung des Ortes ist einfach der Hammer (siehe Beweisfotos) und so haben wir uns in den letzten Tagen mit viel Begeisterung mehrfach auf dem Rad fast zu Tode geschwitzt um alles zu erkunden. Himmlische Landschaften aus Karstgebirge, Flüssen und Wäldern und ganz intensive Farben. Schön!

Vang Vieng hat aber auch eine weniger schöne Seite: Das ganze bestimmt einst malerische Dorf besteht nur aus Guesthouses, Saufbars, Restaurants, Internetcafés und Tourenanbietern. Zwar freue ich mich auch, wenn ich es endlich mal schaffe, die Bilder von meiner Kamera hochzuladen und ich liebe die Gebrauchtbuchläden, in denen man zwischen Büchern von Barbara Wood und Rosamunde Pilcher oder Biographien von Rudi Carell oder David Beckham und verschiedenen Ausführungen von Che Guevara Biographien auch ab und zu mal ein gutes Buch erstöbern kann, aber es tut schon teilweise weh zu sehen, wie sich die Laoten aus der Not geboren selbst kolonialisieren mit Banana Pancake ( mir kommt er schon zu den Ohren raus) und Pizza, ständiger „Friends“-Serienbeschallung in den Bars und Läden, in denen du die freizügige Kleidung ( kurze Tops und Höschen z.B.) kaufen kannst, mit der du dann nachher wiederrum nicht die Tempel betreten darfst, weil sie die Laoten als anzüglich betrachten.

Aber wir wollten ausnahmsweise mal nicht nur die miesepetrigen Misanthropen sein und haben uns, natürlich aus rein wissenschaftlichem Interesse der Hauptatraktion Vang Viengs hingegeben, dem „Tubing“. Zu Deutsch: Man legt sich in einen Schlauch und lässt sich den Fluss hinunter treiben. Das wäre ja an sich kein Problem, aber sobald wir mit unserem Ring an der Stelle rausgelassen wurden, wo es losgehen sollte und wir es irgendwie geschafft hatten, einigermaßen würdig in dem komischen Ding zu sitzen kam ich mir vor, als würde ich direkt in einer Geisterbahn sitzen oder gleich zur Hölle fahren: Denn Rechts und Links des Flusses waren jeweils auf Holzpodesten Bars aufgebaut, die mit ihrer wirklich schlechten Musik einen ohrenbetäubenden Lärme machten. Alle halbnackten und bunt bemalten Traveler, die in den Bars waren, die schon 10m flussabwärts begannen, waren so ziemlich sturzbesoffen und rechts und links schwangen die Beklopptesten an den eigens dafür gemachten Seilen über dem Wasser. Die Berliner Bar 25 würde vor Neid erblassen…Um das zu ertragen (wir waren ja noch nüchtern) sind wir dann auch erst mal an Land gegangen und haben uns einen „Eimer“ genehmigt, so aus rein wissenschaftlichen Interesse, versteht sich. Dieser besteht aus einem Kinderspielzeugeimer mit viel Laolao (laotischem Schnaps), Redbull sowie Eis und wird nicht geraucht. Danach hat uns der Anblick des Schweizers, der diversen Damen von hinten im Ohr rumgeleckt hat und das Mambogetanze der Spanier neben uns eigentlich ziemlich amüsiert. Den Beobachterstandpunkt wollten wir dann aber doch nicht aufgeben!

Wir waren dann wohl die letzten, die gegen 16 Uhr mittags wieder in den Ring gestiegen sind um den Fluss bis nach Vang Vieng runterzutreiben. Das deutsch-schweizerische Action Team ruht ja dann doch nicht bis „Mission completed!“ Der große Rest jedoch hat den Ring an diesem Tag nicht mehr betreten und hat sich im Taxi zurückkarren lassen, ist de fakto also 10m in dem Ring getrieben und nicht mehr. Ob das an den ebenfalls angebotenen Opiumshakes oder einfach zu viel Alkohol lag, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.

Morgen geht es dann in einer 26-stuendigen Fahrt nach Hanoi, Vietnam. Schade, dass wir Laos schon verlassen müssen, denn es ist hier wirklich super. Natürlich darf man bei all der Idylle auch nicht vergessen, dass Laos nicht das meistbombardierte Land der Welt ist. Etwa 30 % dieser grausamen Landminen, die die Amis hier abgeworfen haben, sind noch nicht explodiert und liegen hier noch irgendwo rum. Es ist auch eines der ärmsten Länder der Erde. Die Leute hier leben sehr oft in sehr einfachen Verhältnissen und können sich die meisten Sachen, die wir als Touristen so machen, kaum leisten. Umso erstaunlicher, wie positiv, kontaktfreudig und hilfsbereit die Menschen hier sind.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Laos veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Gedanken zu “Laos II: Der Himmel, die Hölle und das Ende der Welt in den Bergen

  1. klingt dolle alles, meine liebe. hätte zu gerne auch fotos von diesen spannenden „ringen“ gesehen, unter denen ich mir nicht so recht was vorstellen kann. sind das so aufgepumpte fahrradschläuche oder eher sowas wie geschlossene rutschen?
    bei uns allet jut und wie immer viel maloche und was dein frage betrifft: nö, noch nich:)

    janz liebe grüße und bin schon gespannt auf den nächsten reisebericht!
    paß auf dich auf und sei gedrückt
    von
    angela

    • liebe,
      auf dem 2. Foto von Oben kann man den Ring sehen. In das gelbe Ding muss man sich dann irgendwie reinwurschteln! 🙂

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.