China II: Auf dem Land / culture clash!

IMG_0635

Wir sind jetzt in Pingyao, einer 500.000 Stadt (nach Chinas Maßstäben also ein Dorf!) etwa 500 km südlich von Beijing. Pingyaos Farbe ist braun. Häuser, Straßen und alle sich darin / darauf befindenden Gegenstände und Lebewesen sind von einer feinen Staubschicht überzogen. Es riecht nach Kohleöfen, wenn es nicht nach anderen undefinierbaren verbrannten Dingen riecht…War in Peking die Luft nebelgrau von Smog und Sand, so ist sie hier braun vom Lehmstaub und Rauch. Geht man ein Stück abseits der Touristenstraßen, ist man sofort oft fast alleine und glaubt in diesen Stassen mit den niedrigen Lehmziegelhäuschen um hundert Jahre in der Zeit zurückversetzt zu sein… Die Hauseingänge und Innenhöfe, die sich rechts und links entlang der Straße öffnen sind jeder für sich ein wunderschönes nostalgisches Bonsaistillleben, das man auf Fotos leider nicht einfangen kann. Und während man noch dasteht und träumt und staunt wie so etwas anachronistisches sich so lange halten konnte wird man auch schon von dem Gehupe eines Motorrads oder der Musik eines lauten Radios zurück in die Wirklichkeit geholt.

 

Auf dem Weg hierhin haben wir in Datong Halt gemacht, wo man buddhistische Höhlentempel besichtigen konnte. „Be prepared to be gobsmacked“ verspricht der Loney Planet, unsere Backpackerbibel. Die Höhlen mit den riesigen Buddhastaturen waren wirklich beeindruckend, beeindruckender war allerdings der Park drum herum, in dem einfach alte Tempel in neu nachgebaut und als alte Tempel ausgewiesen wurden, schließlich sehen sie aus wie das Original, also sind sie auch das Original, oder?
Aber wenn man sich mal so richtig flashen lassen möchte, dann reicht es völlig, in einen Supermarkt zu gehen, in ein typisches chinesisches Restaurant zu stolpern, mal im Zug in der billigsten Klasse eine Fahrt zu machen oder sich in einer absolut untouristischen Stadt zu verirren. Das alles haben wir in den letzten Tagen gemacht.
Im Supermarkt hält man völlig unbekannte eingeschweißte Produkte in der Hand, deren Verwendung man nicht einmal erahnen kann oder erschreckt vor denen, die man erkennt, z.B. eingeschweißte Hühnerfüße inklusive Krallen, die als chipsartige Snacks verspeist werden!.
Die Kellnerin im Restaurant verschleppt einen nach dem Betreten direkt an einen Tisch, setzt einem 2 Töpfe kochender Brühe vor, stellt einem unzählige kleine Teller vor die Nase und ab geht es mit dem chinesischem Fondue. Nett, dass sie uns bei der Auswahl half, denn von der Speisekarte war kein Wort zu verstehen…Während man mit seiner mangelhaften Stäbchenbeherrschung in der Brühe rumfischt staunt einen die gesamte Restaurant-Besatzung so unverhohlen an, dass man sich Sorgen macht, dass sie ausversehen wegen der Ablenkung beim Gemüse schneiden ihren Finger erwischen…
Zugfahren war auch ein Erlebnis, man quetscht sich auf einen Sitz zwischen Reissaecken, die Leute stehen und sitzen auf den Gängen, es ist unglaublich eng und laut! Nach 6 Stunden tut der Hintern ganz schön weh, aber man hat wirklich viel gesehen und erlebt!
Sich in einer Stadt zu verlaufen, in der scheinbar noch nie jemand eine Langnase wie uns beide gesehen hat und wo die Einwohner sich gegenseitig anstupsen, sobald sie einen erblicken ( auch ganze Familien und Schulklassen), ist auch ein Erlebnis für sich. Man selbst starrt umgekehrt auf die Schuhmacher, die ausblutenden Hühner, die kartenspielenden Männer und die Fischköpfe, die einem vor die Füße geworfen werden. Wenn einem das Geglotze und Zurückgeglotze irgendwann zu sehr auf die Nerven geht flüchtet man am Besten in einen Kentucky Fried Chicken, da hat man einigermaßen seine Ruhe. Die ist hier rar gesät, denn überall wird gebaut, gelärmt, Geschäfte gemacht, gearbeitet, gehupt, gegessen, eingekauft, Musik gehört etc. pp. Eine unglaubliche Reizüberflutung!

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter China veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.